Ratgeber 05

Speicher & Powerstations

Aktualisiert am 10.07.2026 · Lesezeit 6 Minuten

Speicher & Powerstations
Ein Speicher erhöht den Eigenverbrauch: Der Mittagsüberschuss wird abends genutzt statt für 6 Rappen eingespeist. Die 600-Watt-Grenze bleibt unverändert – Notstrom liefert nur der Geräteausgang des Speichers.

Wozu ein Speicher beim Balkonkraftwerk?

Ein Balkonkraftwerk liefert den meisten Strom über die Mittagsstunden – oft genau dann, wenn niemand zu Hause ist. Der Überschuss fliesst ins Netz und wird seit 2026 mit der Minimalvergütung von 6 Rappen pro Kilowattstunde abgegolten. Selbst verbrauchter Strom ersetzt dagegen Netzbezug, der je nach Tarif deutlich mehr kostet.

Ein Speicher setzt genau an dieser Lücke an: Er nimmt den Mittagsüberschuss auf und gibt ihn am Abend ab, wenn Herd, Licht und Fernseher laufen. So steigt der Eigenverbrauchsanteil – und damit der Wert jeder erzeugten Kilowattstunde. Wie viel eine Anlage überhaupt produziert, zeigt der Ratgeber zum Ertrag.

Powerstation oder fester Balkonspeicher?

Drei Bauarten haben sich etabliert. Sie unterscheiden sich vor allem darin, an welcher Stelle der Akku ins System eingebunden ist – und wie oft der Strom dabei umgewandelt wird.

DC-gekoppelter Balkonspeicher

Der Speicher sitzt zwischen Solarmodul und Wechselrichter und wird direkt mit Gleichstrom geladen. Laden und Entladen steuert das System automatisch, und weil der Strom nur einmal in Wechselstrom gewandelt wird, bleiben die Wandlungsverluste gering. Dafür ist der Speicher fest in die Anlage eingebunden und muss zu Modulen und Wechselrichter passen.

AC-gekoppelter Speicher

Der Speicher wird auf der Wechselstromseite angeschlossen und eignet sich damit zum Nachrüsten einer bestehenden Anlage. Der Preis dafür ist die doppelte Wandlung: Der Solarstrom wird erst in Wechselstrom umgeformt, zum Laden des Akkus zurück in Gleichstrom und beim Entladen erneut in Wechselstrom. Bei jedem dieser Schritte geht ein Teil der Energie verloren.

Powerstation mit PV-Eingang

Mobile Powerstations lassen sich direkt an Solarmodule anschliessen und versorgen Geräte über eigene Ausgänge mit 230 Volt oder USB. Sie sind flexibel, auch im Garten oder unterwegs nutzbar, und ihre Ausgänge funktionieren unabhängig vom Netz. Ins Hausnetz einspeisen können aber nur Modelle mit entsprechender Einspeisefunktion – vieles läuft hier manuell statt automatisch.

Für hohen, dauerhaften Eigenverbrauch sind fest eingebundene Systeme im Vorteil, für Flexibilität die Powerstations. Konkrete Geräte vergleicht die Produktübersicht Speicher & Powerstations.

Kein Notstrom aus der Steckdose

Ein verbreitetes Missverständnis vorweg: Ein Speicher macht das Balkonkraftwerk nicht zur Notstromversorgung der Wohnung. Steckerfertige Anlagen sind ausschliesslich für die Einspeisung ins Netz ausgelegt. Fällt das Netz aus, schaltet der Wechselrichter aus Gründen des Personenschutzes ab, und die Anlage speist nicht mehr ein – ein Inselbetrieb ist nicht vorgesehen (BFE-FAQ zu Plug&Play-Anlagen, Frage 14).

Notstrom gibt es nur direkt an den Geräteausgängen eines Speichers oder einer Powerstation: Was dort eingesteckt ist – etwa Router, Kühlbox oder Laptop –, läuft auch bei einem Stromausfall weiter. Die Steckdosen der Wohnung bleiben hingegen spannungslos.

Die 600-Watt-Grenze gilt auch mit Speicher

Ein Speicher ändert nichts an der Leistungsgrenze für steckerfertige Anlagen: Massgebend ist die AC-Nennleistung des gesamten Sets, und sie darf 600 Watt in keinem Moment überschreiten. Das gilt auch für die Entladung – speist der Speicher abends ins Hausnetz, zählt diese Leistung zur AC-Nennleistung des Sets. Ein Speicher erlaubt also keine höhere Einspeiseleistung, er verlängert nur die Zeit, in der eingespeist wird. Die Details erklärt der Ratgeber zur 600-Watt-Regel.

Unverändert gilt auch die Meldepflicht: Die Anlage ist dem Verteilnetzbetreiber vor der Inbetriebnahme schriftlich zu melden, und die Konformitätserklärung muss das gesamte Set einschliesslich Speicher abdecken.

Sicherheit und Aufstellort

Für Batteriespeicher in Gebäuden gibt das Brandschutzmerkblatt 2005-15 «Lithium-Ionen-Batterien» der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) den Rahmen vor. Für Privathaushalte sind vor allem drei Punkte wichtig:

  • Speicher gehören nicht in Fluchtwege – also weder ins Treppenhaus noch in Korridore oder vor die Wohnungstüre.
  • Feuer- oder explosionsgefährdete Räume scheiden als Aufstellort aus.
  • Die Vorgaben des Herstellers zum Aufstellort sind in jedem Fall einzuhalten. In Einfamilienhäusern und kleinen Gebäuden dürfen Speicher mit LFP-Zellen gemäss VKF-Auslegung darüber hinaus in allen übrigen Räumen stehen.

Die Beratungsstelle für Brandverhütung (BFB) ergänzt für den Umgang mit Akkus: nur das vorgesehene Original-Ladezubehör verwenden, beim Laden brennbare Materialien aus der Umgebung entfernen, bei Umgebungstemperaturen zwischen 10 und 30 °C laden sowie beschädigte oder aufgeblähte Akkus sofort ausser Betrieb nehmen und fachgerecht entsorgen.

Winterbetrieb

Lithium-Zellen reagieren empfindlich auf Kälte. Die zulässigen Lade- und Entladetemperaturen legen die Hersteller fest – viele Systeme pausieren das Laden bei Frost automatisch, einzelne Geräte wärmen den Akku mit einer Selbstheizung vor. Die BFB rät, Akkus vor Frost, Feuchtigkeit und direkter Sonneneinstrahlung zu schützen. Bei Aussenaufstellung zählt zudem die Schutzart (IP) des Gehäuses.

Wann rechnet sich ein Speicher?

Ein Speicher verschiebt überschüssigen Tagesstrom in die Abendstunden. Je grösser die Differenz zwischen Erzeugung und gleichzeitigem Verbrauch, desto mehr bringt er – wer den Strom ohnehin tagsüber verbraucht, profitiert kaum.

Der Nutzen pro gespeicherter Kilowattstunde entspricht der Differenz zwischen Bezugstarif und Einspeisevergütung. Rechnet man mit dem BFE-Beispielwert von 20 Rappen Strompreis und der Minimalvergütung von 6 Rappen, bringt jede in den Abend verschobene Kilowattstunde rund 14 Rappen. Da eine 600-Watt-Anlage in guter Lage höchstens rund 600 Kilowattstunden pro Jahr erzeugt und nur ein Teil davon Überschuss ist, bleibt der jährliche Speichernutzen begrenzt. Die Anschaffungskosten sollten dem ehrlich gegenübergestellt werden – einschliesslich der erwartbaren Lebensdauer des Akkus.

Eher lohnt sich ein Speicher, wenn tagsüber kaum jemand zu Hause ist, der Bezugstarif hoch liegt oder ein dynamischer Tarif den Strom am Morgen und Abend verteuert. Ab 2027 wird die Einspeisevergütung zudem auf stündliche Spotmarktpreise umgestellt; der Wert der Mittagseinspeisung wird damit stärker schwanken, was das Verschieben von Überschüssen tendenziell attraktiver macht.

Entsorgung und Recycling

Ausgediente Akkus und Speicher gehören nie in den Hausmüll: Durch die Pressen im Kehrichtfahrzeug können die Zellen beschädigt werden und in Brand geraten. In der Schweiz gilt für Batterien und Akkus eine gesetzliche Rückgabepflicht – und für den Handel eine Rücknahmepflicht.

  • Die Rückgabe ist kostenlos, denn die vorgezogene Entsorgungsgebühr (VEG) ist bereits im Kaufpreis enthalten. Sie wird von INOBAT im Auftrag des Bundesamts für Umwelt erhoben.
  • Rund 11’000 Verkaufs- und Sammelstellen nehmen Batterien und Akkus entgegen – vom Detailhandel bis zur Gemeindesammelstelle.
  • Geräte mit fest verbautem Akku, etwa Powerstations, werden als Ganzes bei der Verkaufsstelle oder der Elektronik-Sammelstelle abgegeben; den Akku nicht selbst ausbauen.
  • Beschädigte oder aufgeblähte Akkus: Pole abkleben, einzeln in einen Plastiksack verpacken und nur an einer betreuten Sammelstelle abgeben.

Worauf bei der Schweiz achten?

  • Die Einspeisung bleibt auf 600 Watt AC-Nennleistung begrenzt – der Speicher erhöht sie nicht.
  • Die meisten Balkonspeicher setzen auf LiFePO4-Zellen (LFP), eine Zellchemie, die als langlebig und thermisch stabil gilt.
  • Bei Aussenaufstellung auf Schutzart (IP) und Kälteverhalten achten: Viele Systeme pausieren das Laden bei Frost oder heizen sich selbst.
  • Auch mit Speicher gilt die Meldepflicht beim Verteilnetzbetreiber, sobald eingespeist wird.
  • Kein Inselbetrieb: Bei Netzausfall liefert nur der Geräteausgang des Speichers Strom, nicht die Wohnungssteckdose.
Fazit

Ein Speicher steigert den Eigenverbrauch – sinnvoll vor allem bei hohem Tagesüberschuss und stimmigem Preis pro Kilowattstunde.