Ratgeber 02

Die 600-Watt-Regel erklärt

Aktualisiert am 22.10.2026 · Lesezeit 6 Minuten

Die 600-Watt-Regel erklärt
Die 600-Watt-Grenze bezieht sich in der Schweiz auf die AC-Nennleistung des Wechselrichters laut Konformitätserklärung – gesamthaft pro Stromzähler und in keinem Moment überschreitbar. Die deutsche 800-Watt-Regel gilt hier nicht. Die Grenze gilt für jedes Balkonkraftwerk – auch wenn es als Mini-PV, Plug-&-Play-Solaranlage oder Steckersolargerät angeboten wird.

Worauf bezieht sich die 600-Watt-Grenze?

Massgebend ist die Wechselstromleistung, die der Wechselrichter ins Hausnetz abgibt – genauer: die AC-Nennleistung, die der Hersteller in der Konformitätserklärung für das gesamte Set deklariert. Grundlage ist die ESTI-Mitteilung zu Plug-and-Play-Photovoltaikanlagen aus dem Jahr 2014, die weiterhin gilt: Pro Bezügerleitung dürfen steckerfertige PV-Anlagen mit einer AC-seitigen Nennleistung von gesamthaft maximal 600 Watt an freizügigen 230-V-Aussensteckdosen eingesteckt sein – und diese abgegebene Leistung darf «in keinem Moment» überschritten werden. Die ESTI-Weisung Nr. 220, die viele Photovoltaik-Installationen regelt, gilt ausdrücklich nicht für steckerfertige Anlagen; für Balkonkraftwerke zählt allein die Mitteilung von 2014.

Eine Grenze pro Stromzähler, nicht pro Gerät

Die 600 Watt gelten gesamthaft pro Bezügerleitung, also pro Hausanschluss beziehungsweise Stromzähler. Wer bereits ein Balkonkraftwerk mit 600 Watt betreibt, darf am selben Zähler kein zweites einstecken – zwei 600-Watt-Anlagen im selben Haushalt sind unzulässig. Auch mehrere kleinere Geräte sind nur erlaubt, solange die Summe ihrer AC-Nennleistungen 600 Watt nicht übersteigt.

Was zur 600-Watt-Grenze zählt und was nicht
Fall Zählt zur 600-W-Grenze? Was gilt
AC-Nennleistung des Wechselrichters laut Konformitätserklärung Ja Massgebend ist die Nennleistung, die der Hersteller für das ganze Set deklariert: höchstens 600 W, gesamthaft pro Bezügerleitung.
Modulleistung (DC) Nein Sie darf über 600 W liegen, solange die AC-Abgabe nie mehr als 600 W beträgt und die Dimensionierung aus der Konformitätserklärung hervorgeht.
Per App auf 600 W gedrosseltes Gerät Ja, mit der deklarierten Nennleistung Die Einstellung in der App senkt die massgebende Leistung nicht: Ein als 800 W deklariertes Gerät zählt mit 800 W.
Zweites Gerät am selben Stromzähler Ja Die AC-Nennleistungen aller steckerfertigen Anlagen an derselben Bezügerleitung werden addiert; zwei 600-W-Anlagen sind unzulässig.
Speicher, der ins Hausnetz einspeist Ja Die Entladeleistung gehört zur AC-Nennleistung des Sets, die Konformitätserklärung muss den Speicher einschliessen. Ein zusätzlicher AC-gekoppelter Speicher neben einem 600-W-Set ist nicht steckerfertig zulässig (Ratgeber Speicher).
Powerstation ohne Einspeisung ins Hausnetz Nein Versorgt sie nur Geräte an ihren eigenen Ausgängen, fällt sie nicht unter die 600-W-Regel und ist meldefrei (Anleitung Powerstation).
Kurze Leistungsspitze über 600 W AC Ja, auch kurzzeitig Die abgegebene AC-Leistung darf in keinem Moment über 600 W liegen.

Was gilt bei Drosselung per App?

Die ESTI-Mitteilung von 2014 stellt auf die AC-seitige Nennleistung ab, die BFE-FAQ auf die AC-Ausgangsleistung, die in keinem Moment über 600 Watt liegen darf. Ob ein Gerät mit 800 Watt Nennleistung, das per App auf 600 Watt begrenzt wird, als steckerfertige Anlage gilt, regeln ESTI und BFE nicht ausdrücklich; die deklarierte Nennleistung ändert eine App-Einstellung jedenfalls nicht. Achten Sie deshalb auf eine Schweiz-Version, die als Set mit maximal 600 Watt AC-Nennleistung deklariert ist – massgebend ist, was in der Konformitätserklärung des Herstellers steht. Welche Mikrowechselrichter eine belegte steckerfertige 600-W-Ausführung haben, zeigt die Wechselrichter-Bestenliste.

Mehr Modulleistung ist erlaubt (Overpaneling)

Die installierte Modulleistung (DC) darf höher liegen als 600 Watt. Üblich sind Sets mit 800 bis über 1000 Watt Modulleistung an einem 600-W-Wechselrichter, weil Module ihre Nennleistung im Alltag selten erreichen. Nach den FAQ des Bundesamts für Energie zählt, dass die abgegebene AC-Leistung zu keinem Zeitpunkt 600 Watt übersteigt. Auch die Dimensionierung mit stärkeren Modulen muss aus der Konformitätserklärung des Sets hervorgehen. Der Nutzen: Bei bedecktem Himmel, tiefem Sonnenstand und in den Randstunden erreicht die Anlage öfter ihre volle Wechselrichterleistung.

Brauche ich eine Bewilligung?

Bis 600 Watt Einspeiseleistung ist keine Installationsbewilligung nötig, sofern die Anlage steckerfertig ist und die Sicherheitsanforderungen erfüllt. Melden müssen Sie sie trotzdem: schriftlich beim lokalen Verteilnetzbetreiber, vor der Inbetriebnahme und mit der Konformitätserklärung über das gesamte Set als Beilage. Für den eingespeisten Überschuss gilt seit 2026 eine Minimalvergütung von 6 Rappen pro Kilowattstunde (Anlagen unter 30 Kilowatt, Basis: vierteljährlich ermittelter Referenz-Marktpreis); ab 2027 wird auf den Spotmarktpreis zum Zeitpunkt der Einspeisung umgestellt, bei vielen Netzbetreibern pro Viertelstunde (Anlagen ohne Smart Meter längstens bis Ende 2027 weiter zum Quartalspreis).

Was gilt über 600 Watt?

Oberhalb von 600 Watt AC endet der steckerfertige Bereich. Eine solche Anlage darf nicht an eine Steckdose (Endstromkreis) angeschlossen werden: Es gilt die Installationspflicht nach der Niederspannungs-Installationsverordnung (NIV). Nötig sind ein fester Anschluss mit separater Absicherung und die Ausführung durch Inhaber einer Installationsbewilligung nach Art. 9 oder 14 NIV. Ein stärkeres Set einfach einzustecken, ist keine zulässige Abkürzung.

Welche Sicherheitsanforderungen gelten?

Rechtlich ist ein Balkonkraftwerk ein frei steckbares Erzeugnis nach der Verordnung über elektrische Niederspannungserzeugnisse (NEV). Modul, Wechselrichter und allfälliger Speicher müssen örtlich eine Einheit bilden, und es gelten folgende Anforderungen:

  • Konformitätserklärung des Herstellers über das gesamte Set, nicht nur über den Wechselrichter – aus ihr müssen Nennleistung und Dimensionierung hervorgehen.
  • Fehlerstromschutz als Bestandteil des Geräts: entweder eine allstromsensitive Fehlerstromüberwachung (RCMU) im Wechselrichter – bei aktuellen Mikrowechselrichtern Standard – oder ein Personenschutzstecker (PRCD, Typ B, 30 mA) im Anschlusskabel. Ein FI-Schutzschalter in der Hausinstallation ersetzt diese Schutzeinrichtung am Gerät nicht.
  • Anschluss über eine normgerechte Schweizer Steckdose nach SN 441011 (T12/T13/T23) – kein Schuko-Stecker, keine Reiseadapter.
  • Kein Inselbetrieb: Bei einem Stromausfall schaltet der Wechselrichter ab, die Anlage liefert dann keinen Strom. Das schützt Personen, die am Netz arbeiten. Notstromfunktionen von Speicher-Sets betreffen nur deren eigene Geräteausgänge.
  • AC-Nennleistung ab Werk fest auf höchstens 600 Watt begrenzt (siehe oben).

Ausblick: Kommen 800 Watt auch in der Schweiz?

Geltendes Recht bleibt die 600-Watt-Grenze. Bewegung gibt es dennoch: Ein Forschungsbericht der Berner Fachhochschule, erarbeitet mit Electrosuisse, Meteotest und dem VSEK, kommt in Überlast-Simulationen zum Ergebnis, dass 800 Watt AC in den meisten Fällen keine Überlastung verursachen. Der Bericht schlägt neue Anlagekategorien vor, unter anderem eine einphasige Kategorie mit maximal 2000 Watt DC und 800 Watt AC. Seit Frühjahr 2026 erarbeitet eine Arbeitsgruppe des Technischen Komitees 82 bei Electrosuisse auf dieser Grundlage eine Schweizer Richtlinie. Ob und wann daraus eine neue Grenze wird, ist offen – bis dahin bleibt die 600-Watt-Grenze verbindlich.

Stand Oktober 2026: kein Richtlinien-Entwurf, keine neue ESTI-Mitteilung.

Quellen

Fazit

600 Watt AC-Nennleistung, fest begrenzt und gesamthaft pro Zähler; die Modulleistung darf höher liegen. Mit schriftlicher Meldung beim Netzbetreiber und einem als Set deklarierten Gerät betreiben Sie die Anlage regelkonform.

Häufige Fragen

Ist ein Balkonkraftwerk mit 600 Wp dasselbe wie eines mit 600 Watt?

Nein. Wp (Watt-Peak) ist die Spitzenleistung der Module unter Normbedingungen, also Gleichstrom (DC). Die Schweizer 600-Watt-Grenze gilt für die AC-Nennleistung des Wechselrichters laut Konformitätserklärung. Sets mit mehr als 600 Wp Modulleistung gibt es; nach den FAQ des Bundesamts für Energie zählt, dass die AC-Leistung des Wechselrichters nie über 600 Watt liegt und die Auslegung in der Konformitätserklärung des ganzen Sets steht.

Was passiert, wenn ein Balkonkraftwerk mehr als 600 Watt einspeist?

Dann ist es keine steckerfertige Anlage mehr: Mit mehr als 600 W AC-Nennleistung darf sie nicht an eine Steckdose angeschlossen werden. Sie unterliegt der Installationspflicht nach der NIV und muss mit separater Absicherung fest angeschlossen werden, durch einen Betrieb mit Installationsbewilligung nach Art. 9 oder 14 NIV. Der Grund: Speist eine Anlage in einen Stromkreis ein, an dem gleichzeitig ein grosser Verbraucher hängt, können Steckdosen und Leitungen überlastet werden, ohne dass die Sicherung korrekt auslöst – das ESTI spricht von einer latenten Brandgefahr.

Ist ein Balkonkraftwerk mit 800 Watt in der Schweiz erlaubt?

Als steckerfertige Anlage nein: In der Schweiz gelten höchstens 600 W AC-Nennleistung pro Bezügerleitung, die deutsche 800-Watt-Regel gilt hier nicht. Ein Forschungsprojekt der Berner Fachhochschule kam zum Schluss, dass 800 W pro Bezügerstromkreis in den allermeisten Installationen ohne signifikante Risikoerhöhung möglich wären. Seit Frühling 2026 erarbeitet eine Arbeitsgruppe des TK 82 bei Electrosuisse eine Schweizer Richtlinie; eine neue Grenze gibt es noch nicht (Stand Oktober 2026).

Was kann man mit 600 Watt betreiben?

Ein Balkonkraftwerk speist ins Hausnetz ein und versorgt zuerst die Geräte, die gerade laufen – etwa Kühlschrank, Router oder ein ladendes E-Bike; nur der Überschuss geht ins Netz. Mitversorgt werden nur Geräte am selben Zähler und an derselben Phase. Bei einem Jahresverbrauch von 4500 kWh deckt eine 600-W-Anlage bis zu rund 10 Prozent des Strombedarfs. Fällt das Netz aus, schaltet der Wechselrichter ab.

Was bedeutet AC-Nennleistung?

AC steht für Wechselstrom, also den Strom, den der Wechselrichter nach der Umwandlung ins Hausnetz abgibt; DC ist der Gleichstrom, den die Module erzeugen. Die AC-Nennleistung ist die Ausgangsleistung, die der Hersteller in der Konformitätserklärung für das Set deklariert. An ihr wird die 600-Watt-Grenze gemessen.

Gilt die 600-Watt-Grenze auch mit Speicher?

Ja. Speist der Speicher ins Hausnetz ein, zählt seine Leistung zur AC-Nennleistung des Sets; er erlaubt keine höhere Einspeisung, sondern verlängert nur die Zeit, in der eingespeist wird. Die Konformitätserklärung muss das gesamte Set einschliesslich Speicher abdecken. Ein zusätzlicher AC-gekoppelter Speicher neben einem bestehenden 600-W-Set ist nicht steckerfertig zulässig.

Darf ich zwei Balkonkraftwerke betreiben?

Am selben Stromzähler nur, wenn beide zusammen höchstens 600 Watt AC-Nennleistung erreichen. Die Grenze gilt gesamthaft pro Bezügerleitung – zwei 600-Watt-Anlagen im selben Haushalt sind deshalb unzulässig.

Genügt die 600-Watt-Einstellung per App?

Ausdrücklich geregelt haben ESTI und BFE das nicht. Massgebend ist die vom Hersteller deklarierte Nennleistung des Sets laut Konformitätserklärung, und ein per Software gedrosseltes 800-Watt-Gerät bleibt ein 800-Watt-Gerät. Sicher ist eine ab Werk auf 600 Watt ausgelegte Ausführung.

Zählt die Modulleistung zur Grenze?

Nein. Die 600 Watt beziehen sich auf die AC-Abgabe des Wechselrichters. Stärkere Module sind zulässig, solange die AC-Abgabe nie über 600 Watt liegt und das Set entsprechend deklariert ist.

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