Ratgeber 03

Anmeldung beim Netzbetreiber

Aktualisiert am 07.10.2026 · Lesezeit 8 Minuten

Anmeldung beim Netzbetreiber
Jede steckerfertige Anlage muss vor der Inbetriebnahme schriftlich beim Verteilnetzbetreiber gemeldet werden – mit Konformitätserklärung über das ganze Set, auch unter 600 Watt. Die Meldepflicht gilt für jedes Balkonkraftwerk, ob es als Mini-PV, Plug-&-Play-Solaranlage oder Steckersolargerät angeboten wird.

Meldepflicht: schriftlich und vor der Inbetriebnahme

Die Regel ist in der ganzen Schweiz dieselbe: Nach den Werkvorschriften der Verteilnetzbetreiber (WV-CH 2025, Ziff. 10.2.2) sind Energieerzeugungsanlagen, die fest oder steckbar mit dem Netz verbunden sind, dem Netzbetreiber im Voraus zu melden; steckbare Anlagen meldet der Netznutzer selbst, nach den Vorgaben des Netzbetreibers und mit Konformitätserklärung. Die ESTI-Mitteilung zu Plug-&-Play-Photovoltaikanlagen von 2014 präzisiert: Die Meldung erfolgt schriftlich und vor der Betriebsaufnahme.

Beizulegen ist die Konformitätserklärung nach Art. 8 NEV über das gesamte Erzeugnis – also über das Set aus Modulen, Wechselrichter und Anschlussleitung, nicht nur über einzelne Komponenten. Eine Installationsbewilligung braucht es bis 600 W AC-Nennleistung nicht. Kurz: erst melden, dann einstecken.

Wer ist mein Netzbetreiber?

Der zuständige Verteilnetzbetreiber steht auf Ihrer Stromrechnung und ist nicht zwingend identisch mit dem Stromlieferanten. Er ist die Anlaufstelle für die Meldung.

In der Schweiz gibt es rund 580 Verteilnetzbetreiber, von Stadtwerken bis zu Genossenschaften. Die Abläufe ähneln sich, die Formulare unterscheiden sich aber im Detail – viele bieten ein vereinfachtes Formular für steckerfertige Anlagen oder ein Online-Portal.

Welche Angaben werden verlangt?

  • Typ und Einspeiseleistung des Wechselrichters (max. 600 W, fest begrenzt).
  • Anzahl und Leistung der Module.
  • Standort und vorgesehene Anschluss-Steckdose.
  • Konformitätserklärung über das gesamte Set, dazu je nach Netzbetreiber Datenblätter von Wechselrichter und Modulen.
  • Je nach Netzbetreiber Kunden-, Vertragskonto- und Zählernummer; die Zählernummer finden Sie auf der Stromrechnung (bei BKW etwa auf Seite 1).

Wie läuft die Meldung ab?

Sie reichen das ausgefüllte Formular mit den Nachweisen ein – bei den meisten grossen Netzbetreibern direkt online. Der Netzbetreiber bestätigt die Meldung; bei Rückfragen sind meist nur Detailangaben nötig. Je nach Zähler organisiert er einen Wechsel auf ein Modell, das Bezug und Einspeisung getrennt erfasst – die Kosten dafür trägt in der Regel der Netzbetreiber.

Bewahren Sie die Eingangs- und die Bestätigungsmeldung auf. Sie dienen als Nachweis, dass die Anlage ordnungsgemäss gemeldet wurde.

Unterlagen für die Meldung eines Balkonkraftwerks
Unterlage Wozu Wer liefert sie
Konformitätserklärung über das gesamte Set (Art. 8 NEV) Pflichtbeilage zur Meldung; bei Kontrollen vorzulegen. Sie muss in einer Amtssprache oder auf Englisch abgefasst sein. Der Hersteller des Sets; auch der Händler muss sie vorlegen können
Datenblätter von Wechselrichter und Modulen Verlangen einzelne Netzbetreiber zusätzlich (etwa Primeo Energie); bei CKW für mögliche Prüfungen aufzubewahren Der Hersteller
Typ und Einspeiseleistung des Wechselrichters, Anzahl und Leistung der Module Angaben im Meldeformular Konformitätserklärung und Datenblätter
Je nach Netzbetreiber Zähler-, Kunden- und Vertragskontonummer Angaben im Meldeformular Ihre Stromrechnung (bei BKW etwa auf Seite 1)
Standort und vorgesehene Anschluss-Steckdose Angaben im Meldeformular Sie selbst
Zustimmung der Vermieterschaft oder Beschluss der Stockwerkeigentümerversammlung Nicht Teil der Meldung, gehört aber zu den Unterlagen der Anlage Vermieterschaft beziehungsweise Verwaltung (Protokoll)
Eingangs- und Bestätigungsmeldung Nachweis, dass die Anlage ordnungsgemäss gemeldet wurde Der Netzbetreiber

So läuft die Anmeldung bei den grossen Netzbetreibern

Der folgende Überblick zeigt die Abläufe bei acht grossen Verteilnetzbetreibern (Stand Juli 2026). Massgebend ist immer der eigene Netzbetreiber – bei kleineren Werken hilft ein Blick auf dessen Website oder ein kurzer Anruf. Eine Meldegebühr verlangt keiner der acht.

ewz (Stadt Zürich)

ewz stellt ein Online-«Anmeldeformular für Plug&Play Solaranlagen» bereit; eine Genehmigung ist nicht nötig. Die Konformitätserklärung ist als Pflicht-Upload beizufügen, die Leistung wird in den Stufen «bis 450 W» und «451–600 W» erfasst. Ohne Smart Meter vergütet ewz pauschal 17 Franken (bis 450 W) beziehungsweise 23 Franken (451–600 W) pro Jahr, bis der Smart Meter im regulären Rollout eintrifft – ein vorzeitiger Einbau ist nicht möglich. Herkunftsnachweise stellt ewz für Plug&Play-Anlagen nicht aus.

BKW

Die Anmeldung läuft über das Online-Formular «Anmeldung Ihrer Plug-&-Play-Photovoltaikanlage». Nötig sind die Zählernummer (Seite 1 der Stromrechnung) und die Konformitätserklärung in einer Amtssprache oder auf Englisch. Für die Rückliefervergütung ist meistens ein Zählerwechsel nötig (15 bis 30 Minuten Stromunterbruch). Pro Zählerkreis sind maximal 600 W zulässig; mehrere Anlagen sind erlaubt, solange die Summe eingehalten wird. Bei einem Umzug ist die Anlage ab- und neu anzumelden.

Primeo Energie

Das sechsstufige Online-Formular ist vor der Inbetriebnahme auszufüllen. Verlangt werden Kunden-, Vertragskonto- und Zählernummer, die Konformitätserklärung über das gesamte Set mit einzeln aufgeführten Komponenten sowie Datenblätter von Wechselrichter und Modulen. Eine Vergütung gibt es nur mit Smart Meter; fehlt er, wird der Zähler kostenlos getauscht (Kontaktaufnahme innert drei Monaten). Eine kostenpflichtige Stichprobenkontrolle nach Art. 39 NIV bleibt vorbehalten. Und: Wer die Leistung später erhöht, etwa von 300 auf 600 W, muss die Anlage erneut melden.

IWB (Basel-Stadt)

Bei IWB läuft die Meldung über das Online-Formular «Balkonsolaranlage melden»: Kundennummer, Leistung (max. 600 W), Smart-Meter-Status und Zählernummer eintragen, Konformitätserklärung hochladen (Pflicht, max. 5 MB). Die Vergütung von 14 Rp./kWh setzt einen Smart Meter voraus; der Zählerwechsel erfolgt auf Wunsch kostenlos. IWB akzeptiert nur eine Anlage pro Haushalt.

ewb (Stadt Bern)

Die «Anmeldung EEA Plug-&-Play-Photovoltaikanlage» erfolgt online; die Anlage ist bewilligungsfrei, aber meldepflichtig. Hochzuladen ist die Konformitätserklärung (Deutsch oder Englisch); im Formular bestätigen Sie zudem, dass die Anlage der NEV entspricht und über einen Fehlerstromschutz Typ B oder eine RCMU im Wechselrichter verfügt. Die Vergütung läuft nach der Anmeldung automatisch an, der Zählerwechsel ist kostenlos (rund 15 Minuten Unterbruch). Auch Demontage oder Umzug der Anlage sind zu melden.

CKW

CKW verlangt die Anmeldung über ein Online-Formular – installiert wird erst nach der Bestätigung. Dokumente sind keine einzureichen; Konformitätserklärung und Wechselrichter-Datenblatt müssen aber aufbewahrt werden, da Prüfungen möglich sind. Mit Smart Meter vergütet CKW quartalsweise, ohne Smart Meter gilt eine Pauschale von 12 Franken pro Jahr (bis 300 W) beziehungsweise 60 Franken pro Jahr (301–600 W) – in diesem Fall ist jedes Jahr eine Neuanmeldung nötig.

SIG (Genf)

SIG publiziert keinen vereinfachten Weg für steckerfertige Anlagen. Es gilt die Standardmeldung als Energieerzeugungsanlage nach der Directive C.2.7 (Stand 1. Januar 2026), in der Praxis abgewickelt über den Elektroinstallateur mit Anschlussgesuch und OIBT-Unterlagen. Angeschlossen werden darf erst, wenn SIG zugestimmt hat. SIG vergütet 2026 und 2027 für Anlagen unter 100 kW gesamthaft 10,96 Rp./kWh ohne MWST; darin stecken 2,80 Rp. für den Herkunftsnachweis. Herkunftsnachweise gibt es für Anlagen unter 2 kW nicht – für ein Balkonkraftwerk ist deshalb mit dem Energiepreis von 8,16 Rp./kWh zu rechnen.

Groupe E (Freiburg/Neuenburg)

Auch Groupe E kennt keinen publizierten vereinfachten Plug&Play-Weg: Die Meldung läuft via Elektroinstallateur über das Elektroform-Portal. Vergütet wird quartalsweise nach dem Referenz-Marktpreis, mindestens jedoch 6 Rp./kWh für Anlagen unter 30 kW. Für Anlagen, deren Anschlussgesuch ab dem 1. Januar 2026 eingeht, begrenzt Groupe E die Einspeisung auf 70 Prozent der Nennleistung; zu Plug&Play-Anlagen äussert sich Groupe E dabei nicht.

Deutschschweiz und Romandie: zwei verschiedene Wege

Der Vergleich zeigt ein klares Muster. In der Deutschschweiz melden Sie die Anlage in der Regel selbst über ein Online-Formular an – bei ewz, BKW, Primeo Energie, IWB, ewb und CKW ist das der publizierte Weg. In der Romandie führen SIG und Groupe E dagegen keinen vereinfachten Weg für steckerfertige Anlagen: Dort läuft die Meldung wie bei einer fest installierten PV-Anlage über den Elektroinstallateur. Wer im Westschweizer Netzgebiet wohnt, plant die Anmeldung deshalb am besten frühzeitig zusammen mit einem Installateur.

Praxis-Hinweise

  • Zählerwechsel: Wo für die Vergütung ein neuer Zähler nötig ist, ist der Wechsel bei den verglichenen Netzbetreibern kostenlos (etwa bei Primeo Energie, IWB und ewb); rechnen Sie mit einem kurzen Stromunterbruch von rund 15 bis 30 Minuten.
  • Ohne Smart Meter zahlen einige Netzbetreiber Jahrespauschalen statt einer Abrechnung pro Kilowattstunde – ewz beispielsweise 17 oder 23 Franken, CKW 12 oder 60 Franken je nach Anlagengrösse.
  • Konformitätserklärung aufbewahren: Auch wo keine Dokumente einzureichen sind (etwa bei CKW), müssen Konformitätserklärung und Datenblatt für mögliche Prüfungen bereitliegen.
  • Leistungserhöhung melden: Wer die Anlage aufrüstet, zum Beispiel von 300 auf 600 W, meldet sie erneut an – bei Primeo Energie ist das ausdrücklich vorgeschrieben.
  • Umzug und Demontage: BKW verlangt beim Umzug eine Ab- und Neuanmeldung, ewb will auch die Demontage gemeldet haben.

Was gibt es für den eingespeisten Strom?

Der Netzbetreiber muss den eingespeisten Strom abnehmen und vergüten (Art. 15 EnG). Seit dem 1. Januar 2026 gilt schweizweit der vierteljährliche Referenz-Marktpreis, sofern sich Netzbetreiber und Produzent nicht auf eine andere Vergütung einigen; für Anlagen unter 30 kW mindestens 6 Rp./kWh (2026: 1. Quartal 10,27 Rp., 2. Quartal 6 Rp.). Die konkreten Tarife unterscheiden sich je nach Netzbetreiber deutlich – eine Übersicht bietet pvtarif.ch. Ab 2027 gilt als gesetzlicher Grundpreis der Spotmarktpreis zum Zeitpunkt der Einspeisung, bei vielen Netzbetreibern pro Viertelstunde; einzelne Netzbetreiber wie SIG und IWB zahlen weiter einen festen Tarif. Liegt der Quartals-Referenzpreis unter der Minimalvergütung, wird die Differenz nachgezahlt. Anlagen ohne Smart Meter werden längstens bis Ende 2027 weiter zum Referenz-Marktpreis abgerechnet, und eine Jahrespauschale für Plug&Play-Anlagen ohne Smart Meter bleibt möglich.

Quellen

Fazit

Die Meldung ist Pflicht, aber unkompliziert: Netzbetreiber bestimmen, Formular besorgen, Nachweise bereitlegen, vor Inbetriebnahme einreichen.

Häufige Fragen

Wie melde ich ein Balkonkraftwerk in der Schweiz an?

Zuständig ist der Verteilnetzbetreiber, der auf Ihrer Stromrechnung steht. Bei den meisten grossen Netzbetreibern in der Deutschschweiz füllen Sie ein Online-Formular aus, in der Regel mit der Konformitätserklärung über das gesamte Set als Beilage – schriftlich und vor der Inbetriebnahme. Bei SIG und Groupe E in der Romandie läuft die Meldung dagegen über einen Elektroinstallateur. Bewahren Sie die Bestätigung des Netzbetreibers auf.

Braucht ein Balkonkraftwerk eine Bewilligung?

Eine Installationsbewilligung braucht es bis 600 W AC-Nennleistung nicht, wohl aber die schriftliche Meldung beim Netzbetreiber. In Miete und Stockwerkeigentum ist zusätzlich die Zustimmung der Vermieterschaft beziehungsweise ein Beschluss der Stockwerkeigentümerversammlung nötig. Module an Geländer oder Fassade brauchen seit 2026 keine Baubewilligung, sondern nur eine Meldung, wenn sie die Voraussetzungen von Art. 32abis RPV erfüllen; ausgenommen sind Kultur- und Naturdenkmäler von kantonaler oder nationaler Bedeutung, und in Schutzzonen kann der Kanton eine Baubewilligung verlangen.

Darf ich ein Balkonkraftwerk ohne Anmeldung betreiben?

Nein. Nach der ESTI-Mitteilung ist jede gesteckte Plug-&-Play-Anlage dem Netzbetreiber vor der Betriebsaufnahme schriftlich zu melden, auch unter 600 W; die Werkvorschriften der Netzbetreiber (WV-CH 2025, Ziff. 10.2.2) verlangen dazu die Konformitätserklärung. Meldefrei ist dagegen eine Powerstation, die ausschliesslich Geräte an ihren eigenen Ausgängen versorgt und nicht ins Hausnetz einspeist.

Muss der Stromzähler gewechselt werden?

Je nach Zähler organisiert der Netzbetreiber einen Wechsel auf ein Modell, das Bezug und Einspeisung getrennt erfasst; die Kosten trägt in der Regel der Netzbetreiber. Rechnen Sie mit einem kurzen Stromunterbruch von rund 15 bis 30 Minuten. Ohne Smart Meter darf der Netzbetreiber statt einer Abrechnung pro Kilowattstunde eine jährliche Pauschale vorsehen (Art. 12 Abs. 3 EnV), wie es etwa ewz und CKW tun.

Was bekomme ich für den eingespeisten Strom?

Der Netzbetreiber muss den Strom abnehmen und vergüten (Art. 15 EnG). Einigen Sie sich nicht auf einen anderen Preis, gilt 2026 der vierteljährlich gemittelte Referenz-Marktpreis, für Photovoltaikanlagen unter 30 kW mindestens 6 Rp./kWh (Art. 12 Abs. 1bis EnV). Die Rückliefertarife der Netzbetreiber vergleicht pvtarif.ch.

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