Ratgeber 07

Ausrichtung, Neigung & Ertrag

Aktualisiert am 15.07.2026 · Lesezeit 6 Minuten

Ausrichtung, Neigung & Ertrag
Faustregel Schweiz: rund 1000 Kilowattstunden pro Kilowattpeak und Jahr – eine 600-Watt-Anlage liefert optimal ausgerichtet bis zu 600 Kilowattstunden. Süd mit 30 bis 40 Grad Neigung ist das Optimum, Ost/West kostet gut 20 Prozent, die senkrechte Geländermontage rund 30 Prozent – dafür liefert sie im Winter überdurchschnittlich viel.

Die Faustregel

Zwei Grössen bestimmen jede Ertragsangabe: Kilowatt Peak (kWp) ist die genormte Spitzenleistung der Module unter Standard-Testbedingungen, Kilowattstunden (kWh) sind die tatsächlich erzeugte Energie. Das Bundesamt für Energie rechnet für die Schweiz bei passender Ausrichtung und Neigung in der Regel mit 1000 kWh pro 1000 Watt Modulleistung und Jahr. Eine 600-Watt-Anlage kann demnach bis zu rund 600 kWh pro Jahr erzeugen – sofern sie das ganze Jahr im Freien steht und optimal positioniert ist. Zwei Einordnungen dazu: Die Faustregel beschreibt den Ertrag einer neuen Anlage; über die Lebensdauer sinkt die Modulleistung durch Degradation langsam ab (aktuelle Datenblätter nennen etwa 0,35 Prozent pro Jahr). Und an heissen Sommertagen drückt die Zelltemperatur den Wirkungsgrad spürbar – warum, erklärt der Modul-Ratgeber beim Temperaturkoeffizienten.

Viele Sets tragen mehr Modulleistung, als der Wechselrichter abgeben darf; das ist zulässig, solange die Abgabe 600 Watt nie überschreitet. Die Reserve stützt den Ertrag bei diffusem Licht und nicht idealer Ausrichtung, während die Kappung in sonnigen Spitzenstunden übers Jahr kaum ins Gewicht fällt, weil Module ihre Nennleistung ohnehin selten erreichen.

Süd, Ost-West oder senkrecht?

Wie stark Ausrichtung und Neigung den Ertrag verändern, lässt sich mit PVGIS beziffern, dem frei zugänglichen Rechner der EU-Forschungsstelle JRC. Für den Standort Zürich, 1 kWp Modulleistung und 14 Prozent Systemverluste ergeben sich als Jahreswerte:

  • Süd, 35 Grad geneigt (Optimum): rund 1130 kWh – Referenz 100 Prozent
  • Flach liegend (0 Grad): rund 960 kWh – 85 Prozent
  • Ost, 35 Grad geneigt (West praktisch gleich): rund 890 kWh – 78 Prozent
  • Süd, senkrecht am Geländer (90 Grad): rund 790 kWh – 69 Prozent
  • Ost oder West, senkrecht: rund 540 bis 550 kWh – knapp 50 Prozent
  • Nord, senkrecht: rund 190 kWh – 17 Prozent, kaum sinnvoll

Die absoluten Werte verschieben sich je nach Standort, die Verhältnisse bleiben ähnlich. Interessant für den Alltag: Ost- und Westlagen liefern ihren Strom am Morgen beziehungsweise am Abend – genau dann, wenn viele Haushalte tatsächlich verbrauchen. Für den Eigenverbrauch kann eine Ost-West-Aufteilung deshalb wirtschaftlicher sein als die höchste Jahressumme. Die Südausrichtung mit ihrer Mittagsspitze bleibt erste Wahl, wenn tagsüber jemand zu Hause ist oder Geräte gezielt mittags laufen.

Neigung: flach, aufgeständert oder senkrecht

Flach auf Balkonboden, Terrasse oder Flachdach gelegte Module verlieren gegenüber dem Optimum rund 15 Prozent und verschmutzen schneller, weil Regen sie kaum abspült. Eine Aufständerung auf 30 bis 40 Grad holt das Maximum heraus, braucht aber ausreichend Ballast oder eine Verschraubung gegen Wind – mehr dazu im Kapitel Montage. Die senkrechte Montage am Geländer kostet bei Südausrichtung rund 30 Prozent Jahresertrag, ist am Mietbalkon aber oft die einzige praktikable Lösung; schon eine leichte Anwinkelung mit entsprechenden Halterungen verbessert die Bilanz.

Warum senkrechte Module im Winter punkten

Im Winter steht die Sonne tief und trifft dadurch steil auf senkrechte Flächen, und Schnee bleibt auf ihnen nicht liegen. Die PVGIS-Monatswerte für Zürich zeigen den Effekt deutlich: Im Dezember und Januar liefert das senkrechte Südmodul (44 bzw. 51 kWh pro kWp) sogar leicht mehr als das optimal geneigte Süddach (41 bzw. 49 kWh) – und rund doppelt so viel wie ein flach liegendes Modul (21 bzw. 26 kWh). Wer seinen Solarstrom übers Jahr verteilt nutzen will, fährt mit der Geländermontage besser, als die reine Jahressumme vermuten lässt.

Verschattung: kleine Schatten, grosse Wirkung

Das Bundesamt für Energie hält in seinen FAQ zu steckerfertigen Anlagen fest, das Modul solle die meiste Zeit frei von Objekten und Elementen sein, die zu einer Verschattung führen. Der Grund: Die Zellen eines Moduls sind in Serie geschaltet. Schon der Schatten eines Geländerpfostens, eines Blumenkastens oder des Nachbarbalkons kann die Leistung des ganzen Moduls überproportional drücken – deutlich stärker, als die abgedeckte Fläche vermuten lässt. Beobachten Sie den Schattenverlauf am geplanten Platz über den Tag, idealerweise auch im Winterhalbjahr, wenn die Sonne tief steht.

Steckerfertige Anlagen sind dabei im Vorteil: Ihre Mikro-Wechselrichter regeln jedes Modul einzeln aus, ein verschattetes Modul zieht also nicht die ganze Anlage herunter. Gegen Teilschatten auf dem einzelnen Modul hilft aber auch das nur begrenzt – der beste Schutz bleibt ein möglichst schattenfreier Platz.

Der Standort in der Schweiz

Das zentrale Mittelland leidet im Winterhalbjahr unter Hochnebel, der die Erträge von November bis Februar deutlich drückt. Höhenlagen und die Alpensüdseite – etwa Wallis oder Tessin – liegen oft über der Nebeldecke und erreichen höhere Jahreswerte.

Das eigene Potenzial lässt sich kostenlos prüfen: Der Solarkataster des Bundes zeigt auf sonnendach.ch die Eignung jedes Dachs und auf sonnenfassade.ch jeder Fassade; mit PVGIS rechnen Sie Ausrichtung, Neigung und Standort frei durch. Nach der Installation zeigt die App des Wechselrichters die tatsächliche Produktion – ein Blick nach den ersten Wochen verrät, ob die Anlage wie erwartet läuft oder ein Schattenproblem hat.

Eigenverbrauch maximieren

Gespart wird nur, was gleichzeitig verbraucht wird. Die Grundlast aus Kühlschrank, Router und Standby-Geräten nimmt rund um die Uhr einen Teil der Produktion ab; den Rest steuern Sie über Gewohnheiten: Waschmaschine, Geschirrspüler oder Tumbler mit Zeitvorwahl in die Sonnenstunden legen, Akkugeräte und E-Bike tagsüber laden, im Homeoffice profitieren Sie automatisch. Wer Mittagsüberschüsse konsequent in den Abend verschieben will, findet im Kapitel Speicher die Möglichkeiten samt ehrlicher Kostenrechnung.

Ertrag ist nicht gleich Ersparnis

Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde spart den vollen Bezugspreis Ihres Netzgebiets – nachschlagen lässt er sich auf strompreis.elcom.admin.ch. Die Beispielrechnung des Bundesamts für Energie: 600 kWh zu 20 Rappen ergeben bis zu 120 Franken Ersparnis pro Jahr; wer einen Teil einspeist, liegt darunter.

Für den eingespeisten Rest gilt seit 2026: Der Verteilnetzbetreiber muss den Strom abnehmen und vergüten. Die Vergütung orientiert sich am vierteljährlich vom Bund ermittelten Referenz-Marktpreis; für Anlagen bis 30 Kilowatt gilt eine Minimalvergütung von 6 Rappen pro Kilowattstunde. Ab 2027 ist der Wechsel auf einen stündlichen Spotmarktpreis beschlossen (mit Übergangsfrist bis Anfang 2028) – Mittagsstrom dürfte dann tendenziell noch weniger einbringen. Was Ihr Netzbetreiber konkret zahlt, zeigt pvtarif.ch: Die Plattform des Verbands unabhängiger Energieerzeuger VESE erhebt und vergleicht die Rückliefertarife jährlich schweizweit.

Die ehrliche Schlussfolgerung für Steckeranlagen: Einspeisen lohnt sich kaum – im BFE-Beispiel bringt die selbst genutzte Kilowattstunde mit 20 Rappen gut dreimal so viel wie die Minimalvergütung. Fehlt zudem ein Zweirichtungszähler, kann der Netzbetreiber statt einer Messung eine Jahrespauschale vorsehen. Richten Sie die Anlage deshalb nicht auf die maximale Jahressumme aus, sondern auf Ihren Verbrauch.

Fazit

Süd mit 30 Grad maximiert den Ertrag, Ost-West den Eigenverbrauch, senkrecht den Winteranteil – und massgebend für die Ersparnis ist immer der selbst verbrauchte Strom.