Praxis

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk für meine Wohnung?

16.06.2026 · 8 Min Lesezeit

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk für meine Wohnung?

Bevor man sich mit Produkten, Preisen und Wechselrichtern beschäftigt, steht eine grundlegende Frage: Lohnt sich ein Balkonkraftwerk an meinem konkreten Standort überhaupt? Die gute Nachricht ist, dass sich das mit wenigen Kriterien zuverlässig abschätzen lässt. Vier Faktoren geben den Ausschlag – wer sie ehrlich beantwortet, weiss danach, woran er ist.

Kriterium 1: die Himmelsrichtung

Entscheidend ist zuerst die Ausrichtung der nutzbaren Fläche. Eine nach Süden gerichtete Fläche liefert über das Jahr am meisten Strom, gefolgt von Südost und Südwest. Reine Ost- oder Westflächen sind ebenfalls gut nutzbar; sie liefern gleichmässiger über den Tag verteilt, mit Spitzen am Morgen oder Abend. Nur eine reine Nordfläche lohnt sich kaum, weil dort über das Jahr zu wenig direkte Sonne ankommt.

Wichtig ist dabei der Zusammenhang mit dem eigenen Verbrauch: Eine West-Anlage, die abends liefert, passt gut zu einem Haushalt, der abends zu Hause ist. Eine Süd-Anlage mit Mittagsspitze passt zu Homeoffice oder zu einem Speicher.

Kriterium 2: die Verschattung

Der zweite Faktor ist die Verschattung. Module reagieren empfindlich auf Schatten – schon ein verschatteter Bereich kann den Ertrag überproportional senken. Beobachten Sie über einen sonnigen Tag, wann und wie lange Nachbargebäude, Bäume, Balkonbrüstungen oder der eigene Dachvorsprung Schatten werfen.

Eine Fläche, die zwischen etwa 10 und 16 Uhr frei besonnt ist, eignet sich gut. Dauerhafte Mittagsverschattung dagegen ist ein echtes Ausschlusskriterium, das auch das beste Set nicht ausgleichen kann.

Kriterium 3: Ihr Verbrauchsprofil

Ein Balkonkraftwerk spart vor allem dann Geld, wenn Sie den erzeugten Strom direkt selbst verbrauchen. Haushalte mit Homeoffice, mit tagsüber laufenden Geräten oder mit hoher Grundlast aus Kühlschrank, Gefriertruhe, Aquarium oder Router nutzen den Mittagsstrom direkt und profitieren am meisten.

Wer dagegen tagsüber durchgehend ausser Haus ist und kaum Grundlast hat, holt ohne Speicher weniger heraus. In diesem Fall lohnt sich entweder eine West-Ausrichtung für den Abend oder die Ergänzung um einen kleinen Speicher.

Kriterium 4: die Montage-Möglichkeit

Viertens muss die Montage rechtlich und baulich möglich sein. Klären Sie früh, ob Sie zur Miete wohnen oder Stockwerkeigentum vorliegt – dann ist die Zustimmung der Vermieterschaft oder der Gemeinschaft nötig. Prüfen Sie ausserdem, ob eine geeignete, gut erreichbare Aussensteckdose vorhanden ist und ob das Geländer oder die Fläche eine sichere Befestigung erlaubt.

Eine grobe Orientierung

Als Richtwert liefert ein typisches Set mit rund 800 bis 900 Wattpeak Modulleistung an einem 600-Watt-Wechselrichter an einem guten Schweizer Standort etwa 600 bis 900 Kilowattstunden pro Jahr. Wie viel davon bares Geld spart, hängt vom Eigenverbrauch und vom lokalen Strompreis ab. Wer die vier Kriterien überwiegend positiv beantwortet, für den lohnt sich die Investition in aller Regel.

Fazit

Die Eignung einer Wohnung lässt sich in zehn Minuten einschätzen: Himmelsrichtung, Verschattung, Verbrauchsprofil und Montage-Möglichkeit sind die vier Stellschrauben. Stimmen sie überwiegend, ist ein Balkonkraftwerk eine lohnende und unkomplizierte Investition. Stimmen Verschattung oder Ausrichtung gar nicht, ist es ehrlicher, das vorab zu erkennen, als später enttäuscht zu sein.

← Alle Beiträge