Wie viel Strom liefert ein Balkonkraftwerk in der Schweiz wirklich?
14.06.2026 · 8 Min Lesezeit
Eine der häufigsten Fragen vor dem Kauf lautet: Wie viel Strom kommt am Ende wirklich heraus? Klare Zahlen helfen, Erwartungen zu setzen und Marketingversprechen einzuordnen. Der Ertrag hängt von drei Faktoren ab – der Modulleistung, der Ausrichtung samt Neigung und der Sonneneinstrahlung am Standort. Gerade der letzte Faktor schwankt in der Schweiz erheblich.
Die Faustregel: Ertrag pro Kilowattpeak
Als Orientierung liefert in der Schweiz ein Kilowattpeak installierte Modulleistung bei guter Ausrichtung rund 1000 Kilowattstunden pro Jahr – mit dieser Faustregel rechnet auch das Bundesamt für Energie. Eine steckerfertige Anlage mit 600 Watt AC-Nennleistung erreicht damit bei optimaler Ausrichtung bis rund 600 Kilowattstunden im Jahr.
Der 600-Watt-Wechselrichter begrenzt zwar die Spitzenleistung, kostet über das Jahr aber nur wenige Prozent. Der Grund: Die volle Modulleistung liegt ohnehin nur an wenigen Stunden an, und genau dann kappt der Wechselrichter die Spitze. Den grössten Teil des Jahres arbeitet die Anlage unterhalb der Grenze.
Regionale Unterschiede
In der Schweiz gibt es klare regionale Muster. Das zentrale Mittelland leidet im Winterhalbjahr unter Hochnebel, der die Erträge zwischen November und Februar deutlich drückt. Wer dort wohnt, sollte den Winterbeitrag nüchtern einschätzen.
Höhenlagen und die Alpensüdseite – etwa das Tessin oder das Wallis – liegen oft über der Nebeldecke und erreichen höhere Jahreswerte. Der Unterschied zwischen einem nebligen Mittellandstandort und einer sonnigen Südlage kann über das Jahr spürbar ausfallen.
Ausrichtung und Neigung verschieben das Ergebnis
Über den Standort hinaus zählen Ausrichtung und Neigung. Eine um etwa 30 Grad geneigte Südfläche ist das Optimum für den Jahresertrag. Senkrechte Montage am Geländer kostet rund 30 Prozent gegenüber diesem Optimum – eine PVGIS-Berechnung für Zürich ergibt an einer senkrechten Südfassade noch rund 69 Prozent des Ertrags eines optimal geneigten Süddachs –, liefert dafür im Winter bei tiefstehender Sonne anteilig mehr.
Ost-West-Aufstellungen liefern insgesamt etwas weniger als eine optimale Südanlage, verteilen den Ertrag aber über den Tag – ideal für einen Verbrauch morgens und abends.
So schätzen Sie Ihren Wert ab
Eine brauchbare eigene Abschätzung gelingt so: Nehmen Sie Ihre Modulleistung in Kilowattpeak, multiplizieren Sie mit rund 1000 Kilowattstunden für einen Standort mit guter Ausrichtung, und ziehen Sie Abschläge für Abweichungen ab – rund 30 Prozent für senkrechte Geländermontage, dazu einen ehrlichen Abschlag für regelmässige Teilverschattung. Für genaue, standortbezogene Werte bietet der Bund mit dem Sonnendach-Portal eine gute Grundlage.
Fazit
Realistisch liefert ein Balkonkraftwerk in der Schweiz mehrere hundert Kilowattstunden pro Jahr – genug, um die Grundlast spürbar zu senken, aber nicht, um den ganzen Strombezug zu ersetzen. Der Standort, die Ausrichtung und die Verschattung bestimmen das Ergebnis. Wer mit der Faustregel von rund 1000 Kilowattstunden pro Kilowattpeak und ehrlichen Abschlägen plant, wird im Betrieb selten enttäuscht.