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Amortisation: Wann sich ein Balkonkraftwerk gerechnet hat

12.05.2026 · 8 Min Lesezeit

Amortisation: Wann sich ein Balkonkraftwerk gerechnet hat

Ob und wann sich ein Balkonkraftwerk rechnet, lässt sich mit wenigen Zahlen abschätzen. Entscheidend sind die Anschaffungskosten, der Jahresertrag, der Anteil, den Sie selbst verbrauchen, und Ihr Strompreis. Wir rechnen entlang der offiziellen Beispielrechnung des Bundesamts für Energie (BFE) – mit belegten Grössen statt Schönrechnerei.

Die Annahmen

Als Basis dient die BFE-Beispielrechnung: Eine 600-Watt-Anlage liefert an einem guten Standort rund 600 Kilowattstunden pro Jahr (Faustregel für die Schweiz: rund 1000 Kilowattstunden pro Kilowattpeak). Bei einem Strompreis von 20 Rappen pro Kilowattstunde ergibt das eine Ersparnis von bis zu 120 Franken pro Jahr – vorausgesetzt, der Strom wird vollständig selbst verbraucht. Ihren tatsächlichen Tarif finden Sie auf strompreis.elcom.admin.ch.

Die zweite Grösse ist der Anschaffungspreis – er ist die eigentliche Variable der Rechnung: Komplettsets gibt es je nach Modulzahl und Ausstattung ab wenigen hundert Franken bis weit darüber.

Die Rechnung

Die Amortisationszeit ergibt sich aus Anschaffungspreis geteilt durch Jahresersparnis. Mit der BFE-Beispielersparnis von bis zu 120 Franken pro Jahr heisst das: Ein Set für 500 Franken hat sich frühestens nach gut vier Jahren bezahlt gemacht, eines für 900 Franken frühestens nach rund siebeneinhalb Jahren.

«Frühestens» deshalb, weil kaum ein Haushalt den gesamten Ertrag direkt verbraucht. Was ins Netz fliesst, wird seit 2026 mit mindestens 6 Rappen pro Kilowattstunde vergütet (Minimalvergütung für Anlagen bis 30 Kilowatt) – deutlich weniger, als der Bezug kostet. Jede eingespeiste statt selbst genutzte Kilowattstunde verlängert die Amortisation entsprechend.

Der grösste Hebel: der Eigenverbrauch

Der grösste Hebel ist der Eigenverbrauch. Je mehr vom Mittagsstrom direkt in Kühlschrank, Router, Waschmaschine oder Homeoffice fliesst, desto näher kommen Sie an die volle Ersparnis heran – ganz ohne zusätzliche Hardware, allein durch geschicktes Timing von Verbrauchern. Ein Speicher erhöht den Eigenverbrauch weiter, kostet aber zusätzlich und verlängert dadurch die Amortisation der Gesamtanlage; er rechnet sich am ehesten bei hohem Abendverbrauch.

Was die Rechnung verschiebt

Steigende Strompreise verkürzen die Amortisation – wer mehr als die 20 Rappen des BFE-Beispiels zahlt, spart pro selbst genutzter Kilowattstunde entsprechend mehr. Ein hoher Anschaffungspreis, ein verschatteter Standort oder viel Einspeisung verlängern sie. Rechnen Sie deshalb mit Ihrem eigenen Tarif und einem ehrlich geschätzten Eigenverbrauchsanteil nach.

Fazit

Wer mit belegten Grössen rechnet – dem BFE-Richtwert für den Ertrag, dem eigenen Stromtarif und einem ehrlich geschätzten Eigenverbrauch – erhält eine belastbare Orientierung statt einer Wunschzahl. Nach der Amortisation liefert die Anlage bei einer Modullebensdauer von über 20 Jahren viele Jahre lang faktisch gratis Strom. Entscheidend ist weniger die Nachkommastelle als das Zusammenspiel von Setpreis, Standort und Eigenverbrauch.

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