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Amortisation: Wann sich ein Balkonkraftwerk gerechnet hat

12.05.2026 · 8 Min Lesezeit

Amortisation: Wann sich ein Balkonkraftwerk gerechnet hat

Ob und wann sich ein Balkonkraftwerk rechnet, lässt sich mit wenigen Zahlen abschätzen. Entscheidend sind die Anschaffungskosten, der Jahresertrag, der Anteil, den Sie selbst verbrauchen, und Ihr Strompreis. Wir rechnen mit dem Ertrags-Richtwert des Bundesamts für Energie (BFE) und dem mittleren Strompreis der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) – mit belegten Grössen statt Schönrechnerei.

Die Annahmen

Als Basis dient der Richtwert des BFE: Eine Anlage mit 600 Wattpeak Modulleistung liefert an einem guten Standort rund 600 Kilowattstunden pro Jahr (Faustregel für die Schweiz: rund 1000 Kilowattstunden pro Kilowattpeak). Ein typischer Schweizer Haushalt zahlt laut ElCom 2026 im Median 27,7 Rappen pro Kilowattstunde, 2027 sind es 26,5 Rappen. Mit 27,7 Rappen ergibt das eine Ersparnis von bis zu rund 166 Franken pro Jahr (2027: rund 159 Franken) – vorausgesetzt, der Strom wird vollständig selbst verbraucht. Weil der ElCom-Wert auch den fixen Messtarif enthält (2026: 74.40 Franken pro Jahr, rund 1,7 Rappen pro Kilowattstunde), liegt die tatsächliche Ersparnis etwas tiefer. Ihren tatsächlichen Tarif finden Sie auf strompreis.elcom.admin.ch.

Die zweite Grösse ist der Anschaffungspreis – er ist die eigentliche Variable der Rechnung: Komplettsets gibt es je nach Modulzahl und Ausstattung ab wenigen hundert Franken bis weit darüber.

Die Rechnung

Die Amortisationszeit ergibt sich aus Anschaffungspreis geteilt durch Jahresersparnis. Mit der Ersparnis von bis zu rund 166 Franken pro Jahr heisst das: Ein Set für 500 Franken hat sich frühestens nach rund drei Jahren bezahlt gemacht, eines für 900 Franken frühestens nach knapp fünfeinhalb Jahren. Mit dem Strompreis 2027 (rund 159 Franken) sind es gut drei beziehungsweise gut fünfeinhalb Jahre.

«Frühestens» deshalb, weil kaum ein Haushalt den gesamten Ertrag direkt verbraucht. Was ins Netz fliesst, wird seit 2026 mit mindestens 6 Rappen pro Kilowattstunde vergütet (Minimalvergütung für Anlagen unter 30 Kilowatt) – deutlich weniger, als der Bezug kostet. Jede eingespeiste statt selbst genutzte Kilowattstunde verlängert die Amortisation entsprechend.

Der grösste Hebel: der Eigenverbrauch

Der grösste Hebel ist der Eigenverbrauch. Je mehr vom Mittagsstrom direkt in Kühlschrank, Router, Waschmaschine oder Homeoffice fliesst, desto näher kommen Sie an die volle Ersparnis heran – ganz ohne zusätzliche Hardware, allein durch geschicktes Timing von Verbrauchern. Ein Speicher erhöht den Eigenverbrauch weiter, kostet aber zusätzlich und verlängert dadurch die Amortisation der Gesamtanlage; er rechnet sich am ehesten bei hohem Abendverbrauch.

Was die Rechnung verschiebt

Steigende Strompreise verkürzen die Amortisation, sinkende verlängern sie – wer mehr als den Medianpreis von 27,7 Rappen zahlt, spart pro selbst genutzter Kilowattstunde entsprechend mehr. Ein hoher Anschaffungspreis, ein verschatteter Standort oder viel Einspeisung verlängern sie. Rechnen Sie deshalb mit Ihrem eigenen Tarif und einem ehrlich geschätzten Eigenverbrauchsanteil nach.

Fazit

Wer mit belegten Grössen rechnet – dem BFE-Richtwert für den Ertrag, dem eigenen Stromtarif und einem ehrlich geschätzten Eigenverbrauch – erhält eine belastbare Orientierung statt einer Wunschzahl. Nach der Amortisation liefert die Anlage bei einer Modullebensdauer von über 20 Jahren viele Jahre lang faktisch gratis Strom. Entscheidend ist weniger die Nachkommastelle als das Zusammenspiel von Setpreis, Standort und Eigenverbrauch.

Mehr dazu im Ratgeber: Ausrichtung, Neigung & Ertrag

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