Technik

Bifaziale Module: Lohnt sich der Aufpreis wirklich?

19.05.2026 · 7 Min Lesezeit

Bifaziale Module: Lohnt sich der Aufpreis wirklich?

Bifaziale Module gehören zu den meistdiskutierten Themen rund um Balkonkraftwerke. Die Idee ist bestechend: Ein Modul, das nicht nur vorne, sondern auch auf der Rückseite Licht in Strom umwandelt, müsste doch mehr liefern. In der Praxis ist der Mehrertrag aber stark vom Standort und von der Montage abhängig. Dieser Beitrag erklärt, wie bifaziale Module funktionieren und wann sich der Aufpreis tatsächlich auszahlt.

Wie bifaziale Module funktionieren

Ein klassisches Modul hat eine lichtundurchlässige Rückseite. Ein bifaziales Modul ist hingegen auf beiden Seiten aktiv: Die Rückseite nimmt Licht auf, das vom Untergrund oder von hellen Flächen reflektiert wird. Dieses reflektierte Licht – Fachleute sprechen von Albedo – bestimmt massgeblich, wie viel die Rückseite beiträgt.

Daraus folgt unmittelbar die zentrale Erkenntnis: Der Mehrertrag steht und fällt damit, wie viel Licht überhaupt auf die Rückseite gelangt. Ein Modul, das flach an einer dunklen Wand klebt, kann seine Rückseite kaum nutzen. Ein freistehendes Modul über hellem Untergrund dagegen schon.

Wo sich der Aufpreis lohnt

Am wirkungsvollsten sind bifaziale Module bei freier Aufstellung mit Abstand zum Untergrund: auf einem hellen Flachdach, freistehend im Garten oder als senkrechter Zaun mit Ost-West-Ausrichtung. Wie gross der Mehrertrag dort ausfällt, hängt vom Reflexionsgrad des Untergrunds, vom Abstand und vom Anstellwinkel ab und lässt sich nicht seriös pauschal beziffern. Helle Kiesflächen, Betonböden oder eine weisse Dachbahn verstärken den Effekt zusätzlich.

Auch am Geländer kann ein bifaziales Modul minim profitieren, wenn es mit etwas Abstand zur Brüstung und nicht vor einer dunklen Wand montiert ist. Der Effekt bleibt dort aber klein.

Wo er sich nicht lohnt

Genau umgekehrt verhält es sich bei der häufigsten Montageart: dem Modul, das dicht und flach an einer dunklen Balkonbrüstung oder Hauswand hängt. Hier erreicht kaum reflektiertes Licht die Rückseite, und der bifaziale Vorteil verpufft weitgehend. In dieser Situation zahlt man einen Aufpreis für eine Technik, die man baulich gar nicht nutzen kann.

Eine ehrliche Faustregel lautet deshalb: Lässt sich das Modul nicht frei und hinterlüftet montieren, ist das Geld oft besser in eine grössere Modulfläche oder ein zusätzliches Panel investiert als in die bifaziale Bauart.

Fazit

Bifaziale Module sind keine Marketingmasche, aber auch kein Selbstläufer. Ihr Mehrwert hängt fast vollständig von der Montage ab. Bei freier, hinterlüfteter Aufstellung über hellem Untergrund sind sie eine sinnvolle Investition; an einer dunklen Wand sind sie hinausgeworfenes Geld. Wer vor dem Kauf ehrlich prüft, wie viel Licht die Rückseite erreichen wird, trifft hier die richtige Entscheidung.

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