Steuerabzug und Förderung: was in Ihrem Kanton möglich ist
10.05.2026 · 7 Min Lesezeit
Bei Förderung und Steuern gilt für Balkonkraftwerke eine nüchterne Ausgangslage: Kein Kanton fördert steckerfertige Kleinstanlagen derzeit direkt. Trotzdem gibt es Ansatzpunkte, die sich je nach Gemeinde und Energieversorger lohnen können – man muss sie nur kennen und gezielt nachfragen.
Die nationale Einmalvergütung
Die nationale Einmalvergütung setzt eine Modulleistung von mindestens 2 Kilowatt und eine feste Verbindung mit Gebäude oder Grundstück voraus. Für ein typisches steckerfertiges Balkonkraftwerk gibt es deshalb regelmässig keine Bundesförderung – wer auf einen Bundesbeitrag für sein Steckermodul hofft, wird meist enttäuscht. Das ändert aber nichts daran, dass sich die Anlage über den Eigenverbrauch rechnet.
Kommunale Programme
Interessanter sind kommunale Programme: Einzelne Städte unterstützen auch Balkonkraftwerke. Die Stadt Zürich zahlt Netzkundinnen und -kunden von ewz (auch im ewz-Gebiet in Graubünden) 200 Franken pro Panel ab 250 Watt für Anlagen mit einem oder zwei Panels, höchstens 400 Franken und höchstens 30 Prozent des Kaufpreises; die Anlage muss auf topten.ch gelistet sein, und das Gesuch geht innert sechs Monaten nach dem Kauf an Topten. Die Stadt Luzern zahlt höchstens 30 Prozent der Materialkosten, maximal 250 Franken; das Gesuch ist spätestens drei Monate nach dem Kauf einzureichen. Lausanne zahlt über das Programm équiwatt 25 Prozent des Kaufpreises, je nach Leistung höchstens 300 oder 400 Franken (40 Prozent und höchstens 450 oder 650 Franken bei Prämienverbilligung); der Kauf darf höchstens zwei Monate vor dem Gesuch liegen. Das ist lokal sehr unterschiedlich und ändert sich laufend. Manche Energieversorger haben eigene Förderaktionen, die nicht prominent beworben werden.
Der erste Schritt: gezielt nachfragen
Der erste Schritt ist daher die gezielte Nachfrage bei Ihrer Wohngemeinde und Ihrem Energieversorger. Fragen Sie konkret nach Förderbeiträgen für steckerfertige Photovoltaik oder Kleinstanlagen. Oft finden sich Programme nicht prominent auf der Website, sondern lassen sich nur über eine direkte Anfrage bei der Energie- oder Bauverwaltung klären.
Die Steuerseite
Auf der Steuerseite ist die Lage klarer, als viele denken: Für steckerfertige Geräte, die Sie selbst einstecken, ist ein Steuerabzug in der Regel nicht möglich – mehrere Kantone, etwa Schwyz, Solothurn und Graubünden, verneinen ihn ausdrücklich, weil das Gerät kein fester Bestandteil der Liegenschaft wird. Anders bei fest installierten Anlagen an selbstbewohntem Wohneigentum: Deren Investitionskosten sind als Energiesparmassnahme abziehbar, im Ergebnis in allen Kantonen nach dem Netto-Prinzip – abzugsfähig sind nur die selbst getragenen Kosten nach Abzug allfälliger Förderbeiträge. Bei der direkten Bundessteuer gilt das nur noch bis Ende 2028: Mit der Abschaffung des Eigenmietwerts entfällt dort ab 1. Januar 2029 der Abzug für Energiesparmassnahmen; die Kantone dürfen ihn längstens bis 2050 weiterführen.
Ein Sonderfall ist der Kanton Bern: Dort müssen Erträge aus Photovoltaikanlagen bis 10 kWp seit 2024 nicht deklariert werden (Bagatellfreigrenze). Luzern und Nidwalden besteuern Einspeisevergütungen erst, soweit die Produktion 10 000 kWh pro Jahr übersteigt – ein Balkonkraftwerk bleibt damit in allen drei Kantonen steuerfrei. Massgebend bleibt in jedem Fall die Praxis Ihres Kantons – ein Blick in die aktuelle Wegleitung zur Steuererklärung lohnt sich.
Belege sammeln, früh beantragen
Wenn Sie etwas geltend machen wollen, sammeln Sie alle Belege: Rechnung, Zahlungsnachweis, technische Unterlagen und allenfalls die Anmeldebestätigung des Netzbetreibers. Reichen Sie Förderanträge gemäss den Programmbedingungen ein: Die Beiträge für Balkonkraftwerke von ewz, der Stadt Luzern und équiwatt beantragen Sie nach dem Kauf mit der Rechnung (innert sechs, drei bzw. zwei Monaten); kantonale Programme für feste Anlagen verlangen das Gesuch dagegen vor Baubeginn.
Fazit
Verlassen Sie sich bei der Wirtschaftlichkeit nicht auf Förderung, sondern rechnen Sie die Anlage so, dass sie sich allein über den Eigenverbrauch lohnt. Eine allfällige kommunale Förderung oder ein Steuerabzug ist dann ein willkommener Bonus, nicht die Grundlage der Investition. Unsere Förderübersicht nach Kanton zeigt die aktuelle Lage im Detail – die verbindliche Auskunft gibt aber immer Ihre Gemeinde.